Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Hans-Heinrich Pries

Soziales Charisma

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Pastor Hans-Heinrich Pries

Einen "Sozialcharismatiker" hatte ihn der ehemalige Propst Karl-Behrnd Hasselmann genannt. Gemeint war der 1996 verstorbene langjährige Ellerbeker Gemeindepastor Hans-Heinrich Pries. Eine gelebte und auf andere ausstrahlende Leidenschaft für Fragen der sozialen Gerechtigkeit hat stets biographische Wurzeln. Bei Pastor Pries lagen sie in seiner Studienzeit.

1910 in Kiel geboren und in Moers am Niederrhein aufgewachsen, begann Pries nach dem Abitur erst 17jährig in Bonn mit naturwissenschaftlichen Studien. Die Erfahrungen als Werkstudent auf der Zeche, die Begegnung mit dem Bergarbeitermillieu und ein Grubenunglück konfrontierten ihn mit ungelösten sozialen Fragen. Pries verließ Bonn und die Naturwissenschaften, studierte in Rostock Theologie und wurde Pastor in der mecklenburgischen Heimat seiner Vorfahren. Hier erfuhr Pries eine bleibende Prägung durch den Theologen Friedrich Brunstädt, den Begründer eines gesellschafts-diakonischen Ansatzes kirchlicher Sozialarbeit.

Nach dem Krieg bekam Pries Kontakt zur "Flüchtlingssiedlung" im ostwestfälischen Espelkamp, ein Projekt, das von dem schwedischen Pastor Birger Forell inspiriert war. Dieses an der politischen Gemengelage schließlich gescheiterte Modell eines christlich-genossenschaftlichen Gemeinwesens wollte Heimatlosen Wohnung und Arbeitsplatz, aber auch kommunale Einrichtungen, Fabriken, Schulen und karitative Einrichtungen bieten.

Die Impulse aus Rostock und Espelkamp setzte Pastor Hans-Heinrich Pries später in seinen Gemeinden in Schuby bei Schleswig und ab 1959 in Kiel-Ellerbek um. Ob der Schubyer Gesprächskreis, Dorfgemeindetage, Ellerbeker Runde, Gemeindewochen oder Kieler Runde. Immer ging es Pries darum, Christen- und Bürgergemeinde zum Wohle aller am "Runden Tisch" zusammenzubringen und so den missionarischen Auftrag des Evangeliums zu erfüllen. Legendär ist sein Engagement beim Streik der Kieler Werftarbeiter im Jahre 1956.

Harald Schrader