Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Uwe Jochims

Ideengeber und Erneuerer

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Pastor Uwe Jochims

Pastor Uwe Jochims trat am 1. Juli 1983 sein Amt als Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) an - nicht von allen freudig begrüßt, aber innerhalb kurzer Zeit akzeptiert, geachtet und geschätzt. Von der Kirchenleitung berufen, sollte er die von der Nordelbischen Synode beschlossene Strukturanpassung im KDA umsetzen.

Im Kern ging es um den Versuch, die arbeitsweltorientierte kirchliche Arbeit in die Kirchenkreise zu verlagern und, damit verbunden, die beiden KDA-Regionen Ost (Lübeck) und Nord (Kiel) aufzulösen. Unzählige, teilweise aufreibende Gespräche in Kirchenkreisen forderten ihn über die "normale" Arbeitszeit hinaus und beanspruchten ihn mehr, als es seiner Familie und - wie wir im nachhinein wissen - seiner Gesundheit gut tat.

Pastor Jochims verstand sich als Ideengeber und inhaltlicher Erneuerer. Getragen war sein Engagement von der Vision eines gelingenden Lebens und einer guten Gesellschaft. Er versuchte neue, jüngere und besonders qualifizierte Mitarbeiter für den KDA zu gewinnen. Mit ihm und durch ihn kamen verstärkt auch neue Arbeitsschwerpunkte in den KDA. An erster Stelle standen dabei der Themenkreis "Arbeitslosigkeit" sowie Angebote für arbeitslose Menschen. Dies geschah zu einer Zeit, in der die intensive Zuwendung zu Problemen von Arbeitslosen in Diakonie und Kirche alles andere als selbstverständlich war. Auch "grüne" Themen wie die Erhaltung der Umwelt oder die Anliegen der Friedensbewegung begannen den Blickwinkel des KDA zu erweitern.

Eine von Jochims Initiativen waren Vorschläge zur Sicherung kirchlicher Arbeitsplätze durch die Einführung von Arbeitszeitmodellen. Diese Initiative, die Vorbildcharakter für andere haben sollte, war ein typisches Beispiel für die Intensität seines Engagements und seiner Hartnäckigkeit, die sachdienliche Konflikte nicht scheute und getragen war von dem Bemühen, kirchliches Reden und Handeln überzeugend zu verbinden.

Nach einer Dienstzeit von nur 19 Monaten verstarb Uwe Jochims unerwartet und viel zu früh am 6. Februar 1985. Familie und Freundeskreise erlebte seinen Tod als tiefe Erschütterung, für die Mitarbeiter des KDA war es ein Schock. Mit seinem überraschenden Tod kam der Aufbruch des KDA für einige Zeit ins Stocken.

Uwe Jochims war davon überzeugt, dass die Kirche ihre Identität nur finden kann in der Selbstentäußerung, im Dasein für andere und die Verkündigung des Evangeliums nicht ohne politische Zuspitzung sein kann.

Von bezeichnender Aktualität sind Aussagen, die Pastor Jochims 1984 in einer Predigt zum Thema Gerechtigkeit beim Gemeindetag in Kiel-Suchsdorf formulierte: "Weil unser Leben auf Gott beruht, weil er der Grund, der Anfang und das Ziel unseres Daseins ist, darum müssen wir widersprechen, wenn Menschen behaupten, ihr Leben beruhe auf ihrer Leistung, und dann unser gemeinsames Leben so einzurichten trachten, dass die Starken, die Lebenstüchtigen, oben sind und die Schwachen, die Lebensuntüchtigen, unten. Wir können uns als Christen dann auch nicht nur damit beschäftigen (so wichtig das ist), die Schwachen zu stützen, ohne den Starken zu bestreiten, dass das Leben auf Leistung beruht. Zugespitzter gesagt: Wir können heute nicht zustimmen, dass in erster Linie das Wachstum der Wirtschaft gesichert werden muss, wenn wir erkennen, dass dabei Wege beschritten werden, auf denen Menschen das Vertrauen in das Leben verlieren."

Von Harald Schrader